Es ist Mittwoch den 24. August 17:50. Ich habe noch 10 Minuten Zeit ein paar Notizen für meinen nächsten Blog zu machen; Danach gehts zum Fussball: Zweites Finalspiel. Das erste (Aurora vs. Wilsterman) ging ja 1:1 aus, heute geht dann wohl die Post ab! Ich nehm meine Kamera mit, dann kann ich Bilder von beiden Spielen hochladen. A propos hochladen: Ich war gestern im Tigo-Shop (Tigo ist etwa wie Vodafone oder Telekom) und freu mich schon krass auf 3.5G (HSDPA für alle, denen es was sagt).
Aber es gibt Wichtigeres: Evo. Ich habe früher schon einiges über Evo gehört und gelesen und hatte eigentlich ein eher gutes Bild von ihm. Nach einigen Gesprächen mit meinen Sprachlehrern, Freunden und Leuten die man in der Stadt kennenlernt ist mein Eindruck von ihm allerdings ziemlich gesunken und von daher mal ein paar Eindrücke von mir, was ich so mitbekommen habe.
An dieser Stelle ein kleiner Schnitt: Es ist nämlich schon 2:14 des folgenden Tages. Von daher ein kleiner Exkurs vom Spiel: Viel spannender als das vom Sonntag, mehr Leute, geile Stimmung. Ich hab Bilder und Videos. Geiles Tor von Wilsterman, Rote Karte für Aurora, der Ausgleich 10 Minuten vor Spielende von Aurora, Elfmeterschiesen. Aurora gewinnt nach einem zweiten Patzer von Aurora. Cooles Spiel an sich, wenn auch krass niedrigeres Niveau als in Deutschland. Noch was Witziges aus dem Stadium: Ich hab die Trompeter dort(das sind so 2-3 13-jährige) gefragt ob ich mal probieren darf und dann haben die mir paar Lieder gezeigt und gesagt, wenn ich ne Trompete hole(Gibts hier für ab 10 Dollar), soll ich sie mitbringen und mitspielen. :)
Aber wieder zurück zu Evo: Ich weiß nicht, was die Welt über Evo denkt, aber, wie schon gesagt, habe ich eher Gutes über ihn gehört und gelesen, als ich noch in Deutschland war. Als Beispiel sei da die Enteignung der Erdöl-/Erdgaskonzerne genannt, die das Land ausbeuten. Hier hörte ich aber ganz andere Dinge. Evo kriegt nichts auf die Reihe und seine soziale Ader rührt aus der Not an Wählern. In Wirklichkeit ist er eine Marionette der Kocksindustrie in Bolivien. So nutzt er den ärmeren und auch weniger gebildeteren Teil der Bevölkerung als Wähler aus, indem er zum Teil sozial handelt.
Auf der anderen Seite ist aber sogar die Demokratie gefährdet. Zu den Wahlen seiner zweiten Amtszeit gab es viel Druck und Gewalt in Dörfern auf dem Land während den Wahlen. Weiterhin hat Evo öffentlich geäußert: "Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns!". Klingt auch nicht sehr demokratisch. Er macht auf Dekolonialisierung indem er Quechua(eine Sprache vieler Indigener in Bolivien) als Pflichtsprache in den Lehrplan aufnimmt, ändert jedoch nicht einmal die Namen von Plätzen und Straßen wie "Plaza Colon" (Kolumbus) oder Calle España oder Americo. Von den Drogengeschichten ist nicht viel bekannt, es ist aber trotzdem offensichtlich, dass Evo ganz tief mit drinnsteckt. Womit ich auch schon beim letzten Thema wäre: Drogen.
Auch wenn es hier, wie überall auf der Welt, auch andere Drogen, wie Marihuana oder Heroin, gibt, so ist der Anbau von Kokain ein starker Industriezweig in Bolivien. Das Ganze ist offiziell illegal und es gibt auch eine Drogenpolizei, aber die Felder und Laboratorien von Evo werden geschützt und gedeckt.
Erst neulich, hat unsere Sprachlehrerinn erzählt, ist ein Bergsteiger "abgestürtzt worden", da er ein Lapor gefunden hat. Das sind mobile Anlagen mit einem Motor und einem Tank und Chemie. Mehr braucht man eigentlich nicht, wo wir auch schon bei der Herstellung wären:
Kokain wird aus Cocablättern hergestellt, was wiederum an Büschen wächst. Doch der Wirkstoff in den Blättern wirkt nicht als Droge. Erst wenn er mit Chlor reagiert wird, entsteht der funktionierende Wirkstoff. In den etwa Zimmergroßen "Freiland-Laboratorien" hat es also einen Motor mit einem Häcksler, der die Blätter ultra klein hächselt. In dem Tank werden die Blätter dann mit Chlor vermengt. Eine Paste entsteht, die noch gefiltert werden muss und man erhält Koks. Könnte man fast zu Hause herstellen...............
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